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Die Preisträger des 23. NEISSE NYSA NISA FILM FESTIVAL
Am Samstagabend wurden bei der feierlichen Preisverleihung des 23. NEISSE NYSA NISA FILM FESTIVAL im tschechischen Varnsdorf die Neiße-Fische – Preisskulpturen des Festivals – an die Gewinnerinnen und Gewinner in den drei Wettbewerben und an die Publikumslieblinge des Festivals vergeben. Das sind alle Preisträger auf einen Blick.
Neiße-Fisch: Bester Spielfilm
"Sechswochenamt"
(Regie: Jacqueline Jansen)
Laudatio der Jury: "Der Film berührt jede Zuschauerin und jeden Zuschauer, weil er von einer zutiefst menschlichen Situation erzählt, die jeden Menschen treffen kann: Was geschieht, wenn wir den Menschen verlieren, den wir am meisten lieben, und mit unserer Trauer allein gelassen werden – mit der Bürokratie, den Aufgaben und der emotionalen Last, die nach dem Verlust eines geliebten Menschen zurückbleiben? Mit großer schauspielerischer Kraft und eindrucksvollen Bildern macht der Film Gefühle sichtbar, für die es oft keine Worte gibt. Die Jury war besonders beeindruckt von der starken Regie, der visuellen Sprache und der Ehrlichkeit, mit der dieser großartige Kinofilm solche Momente erfahrbar macht."
Preis gestiftet vom Sächsischen Staatsministerium
für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, dotiert mit 10.000€
Neiße-Fisch: Beste darstellerische Leistung
Đoàn Hoàng Anh für "Letní škola, 2001"
(Regie: Dužan Duong)
Laudatio der Jury: "Den Preis für die beste schauspielerische Leistung verleihen wir für die emotional eindringliche Darstellung einer vielschichtigen Figur, die in uns Wut, Verständnis und Mitgefühl weckte und noch lange nach dem Ende des Films nachhallte. Der Preis geht an Hoàng Anh Đoàn für seine Darstellung des Vaters im Film "Letní škola, 2001"."
Preis gestiftet von der Stadt Zittau, dotiert mit 1.000€
Lobende Erwähnung zum Darsteller-Preis: Magdalena Laubisch für "Sechswochenamt" (Regie: Jacqueline Jansen)
Neiße-Fisch: Bestes Szenenbild
Seth Turner für "Der Heimatlose"
(Regie: Kai Stänicke)
Laudatio der Jury: "Das Production Design dieses Films ist ein starkes erzählerisches Mittel. Durch Setdesign, Raumgestaltung und künstlerische szenische Umsetzung entsteht ein eindrucksvolles Gefühl von Transformation – zwischen Zugehörigkeit und Nicht-Zugehörigkeit, zwischen Fremdsein und Heimat.Die Räume wirken bewusst unvollständig und werden so zu einer starken Metapher für bruchstückhafte Erinnerung und ein Dasein zwischen verschiedenen Orten und Identitäten."
Preis gestiftet von der Stadt Görlitz, dotiert mit 3.000€
Neiße-Fisch: Bestes Drehbuch
Emi Buchwald und Karol Marczak für "Nie ma duchów w mieszkaniu na Dobrej"
(Regie: Emi Buchwald)
Laudatio der Jury: "Der Neisse-Fisch-Preis für das beste Drehbuch geht an Emi Buchwald und Karol Marczak für das Drehbuch des Films "Nie duchów w mieszkaniu na Dobrej". Diese Geschichte ist eine Herausforderung: Vier völlig unterschiedliche Charaktere werden durch eine einzige Liebe miteinander verbunden. Mit Leichtigkeit und Humor erinnert sie uns – inmitten all der dramatischen Geschichten – daran, dass die Welt auf unserer Seite ist und dass das Erwachsensein ein Schwindel ist!"
Preis gestiftet vom Liberecky kray, dotiert mit 1.000€
Neiße-Fisch: Bester Dokumentarfilm
"Eine Krankheit wie ein Gedicht"
(Regie: Jelena Ilić)
Laudatio der Jury: "Dieser zutiefst persönlicher Film zeigt, wie gemeinsames kreatives Schaffen Menschen wieder zusammenbringen kann, selbst wenn ihre Beziehung zuvor schwer belastet war. Einstimmig und fast ohne Zögern, haben wir beschlossen, den Hauptpreis einem Film zu verleihen, der psychische Erkrankungen, Sucht und die Belastungen, die unser Leben prägen und herausfordern können, auf einfühlsame Weise behandelt. Die Jury war außerdem von der vielfältigen Film- und Formsprache der Regisseurin beeindruckt."
Preis gestiftet von der Sächsischen Staatskanzlei, dotiert mit 5.000€
Lobende Erwähnung im Dokumentarfilm-Wettbewerb:
"Habibi Hussein" (Regie: Alex Bakri)
Neiße-Fisch: Bester Kurzfilm
"Niech Zostanie Bez Tytułu"
(Regie: Mieszko Chomka)
Laudatio der Jury: "Einblicke in das Leben eines verlorenen Straßenjungen offenbaren seine Sensibilität, die aus dem scheinbar chaotischen Material in Form eines sehr kompakten und geschickt zusammengestellten Films zum Vorschein kommt. Der Film selbst wirkt somit viel reifer als der Regisseur, der noch am Anfang seiner Reife steht, und ist ein Beweis für sein filmisches Talent, von dem wir überzeugt sind, dass es in Zukunft nur noch weiter aufblühen wird."
Preis gestiftet StudierendenRat der Hochschule Zittau/Görlitz, dotiert mit 1.500€
Lobende Erwähnung im Kurzfilm-Wettbewerb:
"My motherland is checkered" (Regie: Polina Prokofeva)
"*Padá město, něco si přej" (Regie: Eliška Dobnerová)
Spezialpreis
"Capo"
(Regie: Robert Kwilman)
Laudatio der Jury: "Der Gewinnerfilm erzählt die Geschichte einer Gruppe lateinamerikanischer Menschen, die gerade in Polen angekommen auf der Suche nach finanzieller Sicherheit in ein System von Zwangsarbeit geraten. Es ist eine Parabel über Ausbeutung und Identitätsdiebstahl, wobei unterschwellig die Frage gestellt wird, warum diese Netzwerke entstehen können. Der Film verzichtet in einem fast schon dokumentarischen Stil auf allzu kunstfertige filmische Mittel und bleibt dadurch stets nah dran an seinen Figuren, Das Publikum wird durch den konsequenten Verzicht auf Sozialkitsch tief in die Situation hineingezogen. Dabei wird der Film stets aus der Perspektive seines Hauptprotagonisten erzählt, der als eine Art Mittelsmann zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten selbst ausgebeutet wird. Als er seine inneren Konflikte immer weniger verdrängen kann, wird eine verhängnisvolle Ereigniskette in Gang gesetzt."
Preis gestiftet vom Filmverband Sachsen, dotiert mit 1.000€
Preis der Jugendjury - Langfilm
"Obhut"
(Regie: Veronika Hafner)
Laudatio der Jury: "Es gab einen Film, der selbst unter den vielen bemerkenswerten Beiträgen herausragte. Während des Festivals haben wir viele Filme gesehen. Einer davon hat uns jedoch auf ganz besondere Weise bewegt: "Obhut" von Veronica Hafner. Dieser deutsche Film behandelt ein äußerst sensibles Thema und nahm uns mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Wir waren hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Mitgefühl. Es war keine leichte Erfahrung, aber genau das machte ihn so eindringlich. Auch nach der Vorführung führte unsere Jury intensive Diskussionen: Wo liegt die Grenze zwischen Mensch und Monster? Und wo stoßen Mitgefühl und Empathie an ihre Grenzen? Für uns gelingt diesem Film ein bemerkenswerter Balanceakt. Wir waren tief beeindruckt davon, wie er sein Thema sowohl mit Feingefühl als auch mit kompromissloser Ehrlichkeit angeht. Hervorragende Schauspielerleistungen bereichern den Film zusätzlich und verleihen ihm eine außergewöhnliche Authentizität. Wer den Film bereits gesehen hat, wird verstehen, warum es uns nicht leichtfällt, diese Erklärung abzugeben. Die Tatsache, dass wir um die richtigen Worte ringen, ist für uns der größte Beweis für die Wirkung des Films. Es ist ihm gelungen, etwas greifbar zu machen, das unglaublich schwer in Worte zu fassen ist. Das macht ihn zu einem wahren Kunstwerk."
Preis gestiftet vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk, dotiert mit 1.000€
Lobende Erwähnung zum Preis der Jugendjury - Langfilm:
"Nie ma duchów w mieszkaniu na Dobrej" (Regie: Emi Buchwald)
Preis der Jugendjury - Kurzfilm
"Niech Zostanie Bez Tytułu"
(Regie: Mieszko Chomka)
Laudatio der Jury: “In diesem Film haben wir eine Reflexion unserer eigenen Realität gesehen: das Leben einer jungen Person, geprägt von Unsicherheiten, Herausforderungen und den Fragen nach der eigenen Zukunft. Der Film ermutigt dazu, nicht alles „zu Ende zu denken“, sondern den Mut zu haben, sich auf das Ungewisse einzulassen und neue Wege zu gehen. Dabei handelt es sich nicht um einen typischen Coming-of-Age-Film. Er ist rau, ehrlich und authentisch. Mieszko Chomka beschreibt eindrucksvoll die Angst vor dem Unbekannten die Sorge darüber, was der nächste Lebensabschnitt bereithält, ebenso wie die Angst, Freunde und geliebte Menschen zu verlieren. Genau diese Ehrlichkeit und Nähe haben uns überzeugt.”
Preis gestiftet vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk und Tandem - Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch, dotiert mit 1.000€
Lobende Erwähnung zum Preis der Jugendjury - Kurzfilm:
"Zatoulanec" (Regie: Mikoláš Fišer)
Publikumspreise Spiel- und Dokumentarfilm
Auch die Meinung des Publikums war gefragt: Die jeweils mit 1.000 Euro dotierten Publikumspreise für Langfilme aus dem Programm des 23. NFF, die vom Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien gestiftet wurden, gingen an den Spielfilm "Der Heimatlose" (Regie: Kai Stänicke) und den Dokumentarfilm "Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden" (Regie: Sandra Prechtel).
Publikumspreis Kurzfilm
Beliebtester Kurzfilm wurde der polnische Beitrag "Martwe Tango" (Regie: Jan Seraphim). Der Preis wird hier von der Stadt Zgorzelec gestiftet und ist ebenfalls mit 1.000 Euro dotiert.

