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"Sechswochenamt" gewinnt Hauptpreis beim 23. NEISSE NYSA NISA FILM FESTIVAL

Am Samstagabend wurden bei der feierlichen Preisverleihung des 23. NEISSE NYSA NISA FILM FESTIVAL im tschechischen Varnsdorf die Neiße-Fische – Preisskulpturen des Festivals – an die Gewinnerinnen und Gewinner in den drei Wettbewerben und an die Publikumslieblinge des Festivals vergeben. Der Hauptpreis – der vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus geförderte und mit 10.000 Euro dotierte „Neiße-Fisch: Bester Spielfilm“ – ging an den deutschen Beitrag „Sechswochenamt“ von Jacqueline Jansen.

Die Jury mit der iranisch-deutsche Regisseurin, Videokünstlerin und Cutterin Narges Kalhor, Soňa Morgenthalová, Programmmanagerin beim tschechischen MIDPOINT Institute, und der polnischen Regisseurin, Autorin und Bildgestalterin Maria Zbąska, selbst 2025 Preisträgerin beim NFF, musste sich im Wettbewerb zwischen neun Spielfilmen, je drei aus Deutschland, Polen und Tschechien, entscheiden.

„Der Film berührt jede Zuschauerin und jeden Zuschauer, weil er von einer zutiefst menschlichen Situation erzählt, die jeden Menschen treffen kann: Was geschieht, wenn wir den Menschen verlieren, den wir am meisten lieben, und mit unserer Trauer allein gelassen werden – mit der Bürokratie, den Aufgaben und der emotionalen Last, die nach dem Verlust eines geliebten Menschen zurückbleiben? Mit großer schauspielerischer Kraft und eindrucksvollen Bildern macht der Film Gefühle sichtbar, für die es oft keine Worte gibt. Wir waren besonders beeindruckt von der starken Regie, der visuellen Sprache und der Ehrlichkeit, mit der dieser großartige Kinofilm solche Momente erfahrbar macht.“, so die Jury.

Den von der Stadt Zittau gestifteten und mit 1.000 Euro dotierten Preis für die beste darstellerische Leistung erhielt Đoàn Hoàng Anh für seine Performance als Vater im tschechischen Film „Letní škola, 2001“ (Sommerschule, 2001) von Dužan Duong. Die Jury hob in ihrer Begründung hervor: „Den Preis verleihen wir für die emotional eindringliche Darstellung einer vielschichtigen Figur, die in uns Wut, Verständnis und Mitgefühl weckte und noch lange nach dem Ende des Films nachhallte.“

Eine lobende Erwähnung zum Darsteller-Preis erhielt Magdalena Laubisch für ihre Performance in „Sechswochenamt“ von Jacqueline Jansen.

Seth Turner wurde für ihre Arbeit am deutschen Spielfilm „Der Heimatlose“ von Kai Stänicke mit dem von der Stadt Görlitz gestifteten und mit 3.000 Euro dotierten Preis für das beste Szenenbild ausgezeichnet. „Das Produktionsdesign dieses Films ist ein starkes erzählerisches Mittel. Durch Setdesign, Raumgestaltung und künstlerische szenische Umsetzung entsteht ein eindrucksvolles Gefühl von Transformation – zwischen Zugehörigkeit und Nicht-Zugehörigkeit, zwischen Fremdsein und Heimat. Die Räume wirken bewusst unvollständig und werden so zu einer starken Metapher für bruchstückhafte Erinnerung und ein Dasein zwischen verschiedenen Orten und Identitäten.“, begründete die Jury.

Der Neiße-Fisch für das beste Drehbuch, gestiftet vom Liberecký kraj und dotiert mit 1.000 Euro, ging an Emi Buchwald und Karol Maczek für den polnischen Beitrag „Nie ma duchów w mieszkaniu na Dobrej“ (Keine Geister in der Dobrastraße), bei dem Emi Buchwald auch Regie führte. Die Jury honorierte damit die besondere Herausforderung der Geschichte. „Vier völlig unterschiedliche Charaktere werden durch eine einzige Liebe miteinander verbunden. Mit Leichtigkeit und Humor erinnert sie uns – inmitten all der dramatischen Geschichten – daran, dass die Welt auf unserer Seite ist und dass das Erwachsensein ein Schwindel ist!“, so die Jury weiter.

Bester Dokumentarfilm: „Eine Krankheit wie ein Gedicht“ von Jelena Ilić

Der deutsche Beitrag „Eine Krankheit wie ein Gedicht“ von Jelena Ilić erhielt den von der Sächsischen Staatskanzlei gestifteten und mit 5.000 Euro dotierten Preis für den besten Dokumentarfilm im trinationalen Wettbewerb, in dem ebenfalls neun Produktionen konkurrierten. Die Jury mit Vítězslav Chovanec vom Tschechischen Audiovisuellen Fonds und dem Czech Film Center, Heleen Gerritsen, Künstlerische Direktorin der Deutschen Kinemathek, und der polnischen Dokumentarfilmproduzentin, Kulturprojektmanagerin und Sozialaktivistin Maria Krauss sah einen zutiefst persönlichen Film, der zeigt, wie gemeinsames kreatives Schaffen Menschen wieder zusammenbringen kann, selbst wenn ihre Beziehung zuvor schwer belastet war. „Einstimmig und fast ohne Zögern, haben wir den Preis einem Film verliehen, der psychische Erkrankungen, Sucht und die Belastungen, die unser Leben prägen und herausfordern können, auf einfühlsame Weise behandelt. Wir waren außerdem von der vielfältigen Film- und Formsprache der Regisseurin beeindruckt.“, heißt es in der Jurybegründung weiter.

Eine lobende Erwähnung im Dokumentarfilm-Wettbewerb erhielt die deutsche Co-Produktion „Habibi Hussein“ von Alex Bakri.

Bester Kurzfilm: „Niech Zostanie Bez Tytułu“ von Mieszko Chomka

Den Preis für den besten Kurzfilm erhielt der polnische Beitrag „Niech Zostanie Bez Tytułu“ (Lassen wir es ohne Titel) von Mieszko Chomka. Über den vom Studierendenrat der Hochschule Zittau/Görlitz gestifteten und mit 1.500 Euro dotierten Preis entschieden Kristýna Genttnerová, Leiterin des tschechischen Queer Film Festivals QFF Mezipatra, Jan Eilhardt, Filmemacher:in und Regisseur:in aus Deutschland, sowie der polnische Kameramann und Regisseur Daniel Le Hai. In der Begründung der Jury heißt es: „Einblicke in das Leben eines verlorenen Straßenjungen offenbaren seine Sensibilität, die aus dem scheinbar chaotischen Material in Form eines sehr kompakten und geschickt zusammengestellten Films zum Vorschein kommt. Der Film selbst wirkt somit viel reifer als der Regisseur, der noch am Anfang seiner Reife steht, und ist ein Beweis für sein filmisches Talent, von dem wir überzeugt sind, dass es in Zukunft nur noch weiter aufblühen wird.“

Eine lobende Erwähnung im Kurzfilm-Wettbewerb erhielten sowohl der deutsche Beitrag „My motherland is checkered“ (Mein Heimatland im Karomuster) von Polina Prokofeva als auch der tschechische Film „*Padá město, něco si přej“ (*Die Stadt fällt, wünsch dir was) von Eliška Dobnerová.

Spezialpreis für „Capo“ von Robert Kwilman

Der Spezialpreis des Festivals, der vom Filmverband Sachsen gestiftet wird und mit 1.000 Euro dotiert ist, ging in diesem Jahr an den deutschen Spielfilm „Capo“ von Robert Kwilman. Der Preis würdigt einen Film aus dem gesamten Programm, welcher sich im Besonderen dem Verständnis für die kulturellen und ethnischen Unterschiede verschiedener Länder oder den vorhandenen Gemeinsamkeiten widmet. In ihrer Begründung erklärte die Jury: „Der Gewinnerfilm ist eine Parabel über Ausbeutung und Identitätsdiebstahl. Er verzichtet in einem fast schon dokumentarischen Stil auf allzu kunstfertige filmische Mittel und bleibt dadurch stets nah dran an seinen Figuren, Das Publikum wird durch den konsequenten Verzicht auf Sozialkitsch tief in die Situation hineingezogen. Dabei wird die Geschichte stets aus der Perspektive des Hauptprotagonisten erzählt, der als eine Art Mittelsmann zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten selbst ausgebeutet wird.“

Jugendjury kürt Lang- und Kurzfilm aus dem Festivalprogramm

Zum zweiten Mal kürte beim NFF eine Jugendjury ihre Favoriten aus einer Auswahl von Filmen aus dem Festivalprogramm, welche speziell junge Menschen berühren und ansprechen. Dabei wurden in diesem Jahr gleich zwei Preise vergeben. Die Auszeichnung für einen Langfilm, die vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk gestiftet wird und mit 1.000 Euro dotiert ist, ging an den deutschen Spielfilm „Obhut“ von Veronika Hafner. Die trinationale Jury mit sechs Jugendlichen aus Deutschland, Polen und Tschechien begründete ihre Entscheidung damit: „Dieser Film behandelt ein äußerst sensibles Thema und nahm uns mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Wir waren hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Mitgefühl. Es war keine leichte Erfahrung, aber genau das machte ihn so eindringlich. Wir waren tief beeindruckt davon, wie er sein Thema sowohl mit Feingefühl als auch mit kompromissloser Ehrlichkeit angeht. Hervorragende Schauspielerleistungen bereichern den Film zusätzlich und verleihen ihm eine außergewöhnliche Authentizität.“

Ebenfalls von der Jugendjury prämiert wurde der polnische Kurzfilm „Niech Zostanie Bez Tytułu“ (Lassen wir es ohne Titel) von Mieszko Chomka. Hier begründete die Jury: „In diesem Film haben wir eine Reflexion unserer eigenen Realität gesehen: das Leben einer jungen Person, geprägt von Unsicherheiten, Herausforderungen und den Fragen nach der eigenen Zukunft. Der Film ermutigt dazu, nicht alles 'zu Ende zu denken', sondern den Mut zu haben, sich auf das Ungewisse einzulassen und neue Wege zu gehen. Dabei handelt es sich nicht um einen typischen Coming-of-Age-Film. Er ist rau, ehrlich und authentisch. Mieszko Chomka beschreibt eindrucksvoll die Angst vor dem Unbekannten die Sorge darüber, was der nächste Lebensabschnitt bereithält, ebenso wie die Angst, Freunde und geliebte Menschen zu verlieren. Genau diese Ehrlichkeit und Nähe haben uns überzeugt.“ Der Preis für den Kurzfilm wird von Tandem - Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch gestiftet und ist auch mit 1.000 Euro dotiert.

Initiiert wurde dieser Preis von Schüler:innen der Schkola Oberland, die sich im Rahmen des Schulprojekts „Filmriss“ mit dem Filmfest beschäftigen und in Zusammenarbeit mit dem Ebersbacher Filmtheater- und Kulturverein u.a. das Medienpädagogische Angebot in der Festivalwoche organisieren.

Eine lobende Erwähnung zum Preis der Jugendjury erhielten der polnische Spielfilm "Nie ma duchów w mieszkaniu na Dobrej" (Keine Geister in der Dobrastraße) von Emi Buchwald sowie der tschechische Kurzfilm "Zatoulanec" (Der Streuner) von Mikoláš Fišer.

Publikumspreise gehen an deutschen Spiel- bzw. Dokumentarfilm und polnischen Kurzfilm

Auch die Meinung des Publikums war gefragt: Die jeweils mit 1.000 Euro dotierten Publikumspreise für Langfilme aus dem Programm des 23. NEISSE NYSA NISA FILM FESTIVAL, die vom Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien gestiftet wurden, gingen an den Spielfilm „Der Heimatlose“ von Kai Stänicke und den Dokumentarfilm „Einar Schleef – Ich habe kein Deutschland gefunden“ von Sandra Prechtel. Beliebtester Kurzfilm wurde der polnische Beitrag „Martwe Tango“ (Totentango) von Jan Seraphim. Der Preis wird hier von der Stadt Zgorzelec gestiftet und ist ebenfalls mit 1.000 Euro dotiert.

Seit Dienstag präsentierte das trinationale Filmfest in 19 Kinos und Kulturstätten in Deutschland, Polen und Tschechien rund 100 Filme in den drei Wettbewerben und diversen Filmreihen, begleitet von Filmgesprächen, einer Lesung, Konzerten, Workshops und mehr. Alle Preisträgerfilme sind am Sonntag im KunstBauerKino in Großhennersdorf, in der Kulturfabrik Meda in Mittelherwigsdorf, im Kronenkino Zittau, im Filmtheater Ebersbach bzw. im Městské divadlo (Stadttheater) im tschechischen Varnsdorf zu sehen. Wann und wo welcher Film läuft, wird am Samstagabend online und in den sozialen Medien bekannt gegeben.

Das 24. NEISSE NYSA NISA FILM FESTIVAL findet vom 25. bis 30. Mai 2027 statt.

 

Passendes Bildmaterial zu den Preisträgerfilmen des 23. NFF gibt es hier zum Download: www.dropbox.com/scl/fo/21pie32j2vt4w34d2vsa8/ALo2lx32pNFr-DU5DbS5gsE

Impressionen von der Preisverleihung im Městské divadlo in Varnsdorf ist hier verfügbar: www.dropbox.com/scl/fo/beob3rry0c6umzhdadblt/ABx2_YEzdmt1h5qPRz5-7P0